25 - 11 - 2017


Das Helfer-Interventions-Team (HIT) der Feuerwehr Törring

 

Stressbewältigung nach belastenden Einsätzen

Mehr als 2500 Einsätze bewältigen die Feuerwehren im Landkreis Traunstein jedes Jahr. Viele der Einsätze sind für die Floriansjünger Routine: Tierrettungen, Sicherheitsabstellungen, Beseitigung von Ölspuren, Versetzung von Insektenbehausungen und vieles mehr sind für die Feuerwehren "Tagesgeschäft".

Geht es aber darum Menschen in Lebensgefahr zu retten, Schwerverletzte aus Fahrzeugwracks zu befreien oder Personen aus brennenden Gebäuden in Sicherheit zu bringen, sind die Feuerwehrdienstleistenden großen körperlichen wie seelischen Belastungen ausgesetzt.

Trotz aller Aus- und Fortbildung und dem Idealismus und guten Willen eines jeden Feuerwehrhelfers Menschen in Not zu helfen, geraten die Feuerwehrfrauen und –männer hin und wieder selbst an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. Nach einem Einsatz wieder zur Tagesordnung und in den normalen Alltag überzukehren, gelingt nicht immer. Das Erlebte wird zum Ballast und kann zu körperlichen wie seelischen Veränderungen wie Konzentrationsschwierigkeiten, übertriebene Schreckhaftigkeit, Reizbarkeit, Alpträume, immer wiederkehrende belastende Erinnerung, soziale Isolation und vieles mehr führen. Dabei sind die genannten "Symptome" normale menschliche Reaktionen auf ein unnormales Ereignis.

Um die, in unserem Landkreis größtenteils ehrenamtlichen Feuerwehrhelfer, nach belastenden Einsätzen nicht alleine zu lassen, hat sich im Frühjahr 2001 das Helfer-Interventions-Team, kurz "HIT", gegründet. Ein Team von erfahrenen und speziell ausgebildeten Feuerwehrmännern, -frauen und –ärzten stehen auf Anforderung der Kreisbrandinspektion zur Verfügung, um nach besonders belastenden Einsätzen kameradschaftlichen Beistand zu geben und Betreuung zu leisten.

Aufgabe des HIT ist es, seelisch belastende Einsatzerlebnisse verantwortungsvoll und strukturiert nachzuarbeiten. Einsatzbesprechungen sollten sich nicht nur auf eine Reflexion des taktischen Vorgehens und technische Details beschränken, sondern auch das körperliche und psychische Befinden und das Aussprechen von Gefühlen und Empfindungen beinhalten. Wiederkehrende belastende Erinnerungen an das Ereignis können posttraumatische Belastungsstörungen und schwere gesundheitliche Folgeschäden nach sich ziehen. Dies zu verhindern ist das große Anliegen und der Auftrag des Helfer-Interventions-Teams.

Schon mehrmals konnte das HIT hilfreich tätig werden, um Feuerwehrkameraden bei der Bewältigung seelisch belastender Einsätze zu unterstützen. Das Helferinterventionsteam wurde zum Beispiel angefordert, als eine hiesige Feuerwehr alarmiert worden war, um einen Toten nach Suizid von einem Hochstand zu bergen. Bei Eintreffen der Wehr stellte sich heraus, dass es sich um einen Kameraden handelte. Daraufhin wurde die eingesetzte Mannschaft durch eine Gruppe der Nachbarwehr abgelöst; die betroffenen Feuerwehrler wurden vom HIT betreut. Auch nach dem tödlichen Verkehrsunfall der Ehefrau eines aktiven Feuerwehr-Dienstleistenden, der selbst mit seiner Feuerwehr zur technischen Hilfe an die Unglücksstelle eilte, war das HIT tätig. Der betroffene Feuerwehrmann, dessen Kinder und auch die Kameraden wurden betreut. Bisher waren es meist Verkehrunfälle, zu denen das Helferinterventionsteam angefordert wurde, weil Feuerwehrkameraden nach den Anblick eines Getöteten oder durch schwere Verletzungen entstellten Unfallopfer, seelisch belastet und "geschockt" waren.

Bei folgenden Indikationen wird das HIT auf Anforderung der Feuerwehr-Führungskräfte alarmiert:

  • bei Tod oder schwerer Verletzung einer Einsatzkraft
  • bei einem Einsatz mit Tod eines Kindes
  • bei Unglücken mit einem oder mehreren Toten
  • bei Leichenbergung (z.b. nach Suizid)
  • sowie bei sonstigen belastenden Einsätzen

Das HIT ist rund um die Uhr über Funkmeldeempfänger erreichbar.

 

Mitglieder:

Josef Staudinger Christiana Staudinger